Das Rebhuhn verschwindet in Hessen

Seit 1980 ist das Rebhuhn deutschlandweit um 91 Prozent zurückgegangen. Nach Ansicht des NABU verstoßen Bund und Länder damit gegen die in der EU-Vogelschutzrichtlinie festgeschriebene Anforderung, einen guten Erhaltungszustand aller wildlebenden Vogelarten zu erreichen und dafür angemessene Maßnahmen zu treffen.

 

„Auch in Limeshain haben die Bestände des Rebhuhns stark abgenommen. Es gibt insgesamt nur noch etwa zwei Reviere“, erklärt Manfred Vogt Vorsitzender des NABU in Limeshain. Noch bis in die 1970iger Jahre hinein betrug allein die jährliche Jagdstecke in Hessen 20.000 Tiere.

Als eine wichtige Maßnahme fordert der NABU, dass mindestens zehn Prozent der hessischen Agrarlandschaft als Lebensraum für das Rebhuhn und die ländliche Artenvielfalt reserviert werden. Dies sollte künftig auch zu einer Grundbedingung für die Auszahlung von Flächenprämien an landwirtschaftliche Betriebe werden. Die im Oktober durchgeführten Abstimmungen der Agrarminister und des Europaparlaments über die künftige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) bot die Chance, dies EU-weit festzulegen. Dies ist leider nicht gelungen. Nun muss Deutschland nationale Regelungen erlassen, ansonsten droht ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Der NABU Hessen appelliert deshalb an Agrarministerin Priska Hinz, sich dafür einzusetzen, dass die Landwirtschaft nach dem Desaster im Düngerecht nicht sehenden Auges in ein weiteres Problem mit der EU-Justiz führt.

 

Das Rebhuhn ist ein typischer Feldvogel, der früher fast flächendeckend in allen Agrarlandschaften Hessens vorkam. Wichtig für das Überleben von Rebhühnern sind ungemähte und ungespritzte Flächen, in denen die Weibchen gut versteckt vor Räubern wie Füchsen brüten können, und insektenreiche Blühflächen, auf denen die pro Gelege bis zu 20 Küken ausreichend Nahrung finden. Solche Flächen werden immer seltener. Daher reicht der heutige Bruterfolg der Hühnervögel nicht mehr aus, um den Bestand zu erhalten. 

 

„Der Rückgang des Rebhuhns ist nicht nur ein Verlust für alle Menschen, die diesen Vogel nicht mehr erleben können, er ist vor allem ein Alarmsignal für das Fehlen von Insekten und Wildkräutern in der zu intensiv genutzten Agrarlandschaft. Hier ist der Naturhaushalt aus den Fugen geraten, denn Pestizide können vielleicht Schädlinge aufhalten, aber kein funktionierendes Ökosystem ersetzen“, so Manfred Vogt, NABU-Vorsitzender in Limeshain. „Nach Einschätzung des NABU müsste es für einen guten Erhaltungszustand in Hessen wieder mindestens fünf bis zehn Brutpaare je 100 Hektar geben. Zwar setzt das Land bereits heute erste Schutzmaßnahmen für das Rebhuhn um. Um damit die Art zu retten, müsste dies aber auf einer mindestens zwanzigmal so großen Fläche wie bisher geschehen“.

Rebhuhn im Winter  Foto: Manfred Vogt
Rebhuhn im Winter Foto: Manfred Vogt
Rebhuhn im Sommer Foto: Manfred Vogt
Rebhuhn im Sommer Foto: Manfred Vogt